Schauspielen – Workshop über René Pollesch

Hallo!

Gestern war ich wieder auf einem Workshop, diesmal über den Theaterregisseur bzw. Autor René Pollesch. Dieser Workshop war ganz anders als der letzten Monat, weil er sehr theoretisch war.

Am Anfang haben wir uns allerdings praktisch aufgewärmt, damit wir uns ein bisschen aneinander gewöhnen und vielleicht ein paar Namen lernen. Z.B. sind wir durch den Raum gelaufen und haben diesen betrachtet, dann immer schnurstracks zu einem bestimmten Punkt laufen, dann jedem dem wir begegnen in die Augen gucken und zunicken, dann die Hand geben und begrüßen, dann neue Begrüßungsformen ausdenken, dann begrüßen, in dem man die Nasen aneinander reibt („wie die Eskimos“). Dann haben wir noch so Spielchen gemacht, dass wir im Kreis standen und uns einen Ball zugeworfen haben, erst nur mit „Hepp“, dann mit dem eigenen Namen und dann mit dem Namen der Person, der man den Ball dann zugeworfen hat. Und das typische Spiel, dass man im Kreis dem nächsten ein „HA!“ bzw. ein Klatschen weitergibt, man kann es mit einem „Boing“ auch zurückschicken oder mit einem Schuss (zu irgendwem im Kreis klatschen) weitergeben. Da gibt es auch noch andere Formen, ich kannte das z.B. auch noch mit „Blup“, wobei man den direkt neben einem überspringt.

Danach hat uns der Autor und Regisseur Alexander Frank, der bei mehreren Pollesch-Inszenierungen Regieassistent und Inspizient war, einiges darüber erzählt, wie René Pollesch so ist, worum es ihm beim Theater geht und wie er das umsetzt. Das ist ziemlich viel – zu viel um es hier alles aufzuschreiben.

Nur kurz so viel: Pollesch sagt, dass Theater mehr ist, als das bloße Geschichten erzählen und deshalb wird bei ihm auf der Bühne auch keine Figur gespielt, sondern Gedanken, von denen man als Schauspieler selbst auch überzeugt ist, laut ausgesprochen. Dabei geht es ihm wirklich nur um den Text, nicht um das Drumherum. Er selber kümmert sich auch nicht um das Bühnenbild oder die Kostüme – der Text ist schließlich das Wichtige.

Nach Alexander Frank ist die Arbeit mit ihm sehr anstrengend und kräftezehrend, da er den Text erst während den Proben schreibt, man als Schauspieler also ganz schnell viel Text lernen muss, oder zwischendurch, auch am Tag vor der Premiere einfach mal 10 Seiten Text ändert, wodurch auch die letzten Vorstellungen immer besser sind als die Premiere – bei der können die Schauspieler dadurch nämlich oft ihren Text einfach kaum und stehen unter totaler Panik deshalb. :D

Zwischendurch baut er immer mal sogenannte Clips ein, die einfach aus Musik und Tanz bestehen und nur dazu da sind, dass der Zuschauer und die Schauspieler sich entspannen können und eine kurze Pause haben – denn der Rest ist sehr gesellschaftskritisch und anspruchsvoll. Dabei verwendet er auch gerne alle Möglichkeiten, die das Theater bietet – Nebel, Regen auf der Bühne usw.

Was er außerhalb der Clips oft und gerne verwendet ist auch der Chor. René Pollesch geht in seinen Theaterstücken sehr gegen den „weißen, männlichen, heterosexuellen Menschen“ – z.B. sagt er auch, dass an „Romeo und Julia“ rein gar nichts universell ist – dann es betrifft nur junge, weiße, heterosexuelle Menschen – aller anderen sind ausgeschlossen und die betrifft es auch nicht. Er ist gegen Emotionen auf der Bühne, er hat sich anfangs sehr stark an Brecht orientiert. Ein weiterer großer Punkt, der immer wieder in seinen Stücken auftaucht, ist z.B. der Mehrwert. Aber dazu werde ich jetzt nicht mehr schreiben, das würde jetzt einfach zu viel werden.

Zwischendurch haben wir auch eine Mittagspause gemacht, haben uns Ausschnitte aus Pollesch’s Inszenierungen angesehen und auch kurze Teile von Szenen selber gespielt.

René Pollesch ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Mensch – im Moment wird im Schauspiel Frankfurt sein Stück „Je t’Adorno“ aufgeführt – das werde ich mir auf jeden Fall noch angucken.

Liebe Grüße

eure An :)

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