Schauspielen – Workshop „Ich selbst als ein Anderer“ mit Martina Droste

Oje, ich hänge total hinterher. Der Workshop, über den ich jetzt schreibe, war eigentlich schon vor drei Wochen, aber ich habe einfach keine Zeit gefunden, darüber zu schreiben. Aber morgen beginnt mein zweiwöchiges Praktikum und ich habe gerade ein bisschen Zeit. Immerhin schreibe ich mir immer direkt nach dem Workshop / offenen Schauspieltraining ein paar Stichworte dazu auf, damit ich es nicht vergesse, bis ich dann diesen Beitrag schreiben kann – allerdings habe ich leider doch schon viele Einzelheiten vergessen. Aber ich versuche mein Bestes.

Zu Beginn haben wir uns wieder aufgewärmt mit dem üblichen Durch-den-Raum-Laufen, alles wahrnehmen, den Raum und die anderen Menschen um uns, wie wir selber auftreten, woher die Kraft zum Laufen kommt, usw. Dann sind wir an einem Fleck stehen geblieben und haben langsam unser Gewicht verlagert, nach rechts, links, vorne, hinten. Das Ganze auch mit geschlossenen Augen. Danach sind wir wieder durch den Raum gelaufen und haben wie üblich darauf geachtet, was sich denn so verändert hat. Und sollten dann darauf achten, wie wir laufen – sind die Schulten vorne oder hinten, laufen wir eher krumm und eingefallen oder aufrecht, wie schnell oder langsam laufen wir, wie halten wir unseren Kopf. Und dabei dann – wo ist unser Brustbein (Verbindungsstelle der Rippen, in der Mitte des Brustkorbs). Das sollten wir dann mal nach außen drücken uns so laufen, dann mal nach innen einklappen und laufen. Denn das ist genau die Stelle, die beeinflusst, ob wir gerade, mit viel Präsenz laufen oder eher krumm und unscheinbar. Und das ist beim Schauspielen natürlich sehr wichtig, dass man mit viel Präsenz auf die Bühne tritt und die Zuschauer einen wahrnehmen. Aber natürlich auch im ganz normalen Alltag – man sollte möglichst immer darauf achten, dass man eben gerade läuft, das Brustbein nach außen und das Kinn nicht zu tief (nicht auf den Boden gucken!), aber auch nicht zu hoch (Arrogant!) hält, dann strahlt man Präsenz und Sicherheit aus. Tatsächlich wusste ich das schon alles vorher, da meine Eltern immer darauf geachtet haben, dass ich auch ja gerade laufe.

Danach haben wir (wenn ich mich recht erinnere und ich das Stichwort „Schweben“ richtig interpretiere – falls ich das schon mal in einem Beitrag zu einem anderen Workshop/… beschrieben habe, sei mir verziehen) eine sehr interessante Übung zur Schwerkraft, Anstrengung und Verausgabung auf der Bühne gemacht. Dabei sollten wir dann alle in einem Kreis laufen, während Martina (die Leiterin des Jugendclubs, die auch diesen Workshop gemacht hat) die ganze Zeit über geredet hat. Sie hat davon gesprochen, wie sehr uns die Schwerkraft nach unten zieht, wie schwer wir uns fühlen, wie anstrengend es ist, oben zu bleiben und weiter zu laufen. Aber wir müssen weiterlaufen und es wird immer schwerer und zieht uns nach unten, aber wir müssen einfach weiter und dürfen nicht stehen bleiben, und immer weiter zum Boden sinken wir, weil wir keine Kraft mehr haben, uns oben zu halten, aber wir müssen vorwärts kommen, immer weiter, egal wie, ob krabbeln oder über den Boden robben oder nur noch zentimeterweise nach vorne ziehen – sobald wir uns nicht mehr bewegen würden, wäre es vorbei, würden wir sterben. Und irgendwann sollten wir einfach aufgeben. Spüren, wie entspannend es ist, sich einfach nicht mehr dagegen zu wehren, einfach dort zu liegen. Und dann, nach kurzer Zeit, merken wir ganz langsam, dass wir gar nicht mehr nach unten gezogen werden, indem wir erst einen Finger oder so bewegen und immer mehr, ganz vorsichtig erkennen, dass wir uns bewegen können, irgendwann aufrichten, jeder in seinem Tempo, wie leicht es doch alles geht, bis  wir letztendlich vor Freude darüber durch den Raum liefen und sprangen und uns frei und leicht fühlten.

Bei dieser Übung war es natürlich sehr wichtig, dass man sich auch darauf einlässt und einfach mitmacht, egal wie bescheuert das vielleicht von außen aussieht. Einfach machen. Und das haben auch alle dort getan. Und es war wirklich richtig interessant, denn ich habe diese Schwere so deutlich gespürt, die mich da nach unten gezogen hat und es war so anstrengend, sie noch weiter oben zu halten und fortzubewegen, richtig echt. Und wirklich richtig anstrengend. :D Und als wir dann wieder langsam aufgestanden sind, habe ich mich auch wirklich richtig leicht gefühlt, fast als könnte ich fliegen. (Deshalb vielleicht mein Stichwort „Schweben“).

Zwischendurch hat Martina dann auch noch mal angemerkt, dass man als Schauspieler nichts ignorieren darf, wenn man etwas vorführt – wenn einem z.B. auf der Bühne etwas aus der Tasche fällt, dann sollte man entsprechend darauf reagieren und nicht einfach weiterlaufen. Oder wenn während der Proben eine Putzfrau versehentlich auf die Bühne läuft – sofort mit einbinden. Oder wenn bei einer Vorführung jemand etwas aus dem Zuschauerraum ruft – nicht ignorieren, sondern irgendetwas daraus machen, angemessen darauf reagieren.

Danach haben wir mit Text gearbeitet, das heißt wir haben das Stück „Auf der langen Bank“ (nur eine relativ kurze Szene) bekommen und die Rollen verteilt, manche mussten doppelt besetzt werden. Das haben wir dann gelesen, und nochmal in der anderen Besetzung, immer schön betont.

Daraufhin haben wir dann Sprachübungen gemacht. Oft hört man ja von der Übung, dass man einen Korken zwischen die Zähne klemmt und dann versucht, deutlich zu sprechen – aber das ist als Anfänger gar nicht so gut, weil man sich da schnell verkrampft. Wir haben dann andere Übungen gemacht: erst einmal haben wir Grimassen gemacht – böse gucken – grinsen – Kussmund, und dann den Mund aufgeklappt, dabei den Kopf leicht nach hinten gekippt und wieder zurück. Dann haben wir die Muskeln, die von den Wangenknochen aus über den Kiefer nach unten gehen „massiert“ – d.h. nach unten gestrichen und dabei den Mund geöffnet. Dann sollten wir die Zähne zusammenbeißen und danach die Zunge oben an den Gaumen drücken – dabei jeweils einen besonders schwierigen Satz unseres Charakters aus „Auf der langen Bank“ möglichst deutlich sagen. Dann haben wir es jeder noch einmal einzeln gesagt und festgestellt, dass unsere Mimik beim Sprechen viel ausgeprägter war – das hilft, um klarer zu sprechen.

An dieser Stelle habe ich mir das Stichwort „3 Bücher“ aufgeschrieben, aber leider keinen blassen Schimmer mehr, was ich damit gemeint habe :D Danach war dann Mittagspause, in der wir einen kurzen Monolog unseres Charakters (immer noch aus „Auf der langen Bank“) auswendig lernen sollten.

Danach haben wir dann mit diesem Monolog gearbeitet, indem immer vier oder fünf Personen auf der Bühne waren und eine Szene haben entstehen lassen, indem sie ihre Sätze aus dem Monolog genommen haben. Auch immer schön mit Gesten und die andere Personen ruhig mal als Objekte verwenden und den Zuschauern etwas erzählen, einige haben dann auch noch Requisiten dazu bekommen (einen Strick oder Straßenmalkreide zum Beispiel). Dann waren wir nochmal alle auf der Bühne und haben angefangen, das Stück zu spielen – allerdings war das dann doch ziemlich langatmig und wir hatten kaum noch Zeit, weshalb wir dass dann nochmal umgeändert haben: Alle sollten gleichzeitig ihren auswendiggelernten Monolog sagen – und zwar so, dass man es auch unbedingt jemandem mitteilen will, unbedingt dessen Aufmerksamkeit haben wollte. Das konnten wir selber dann natürlich nicht sehen, aber es war ein riesiges Durcheinander, laut, es wurde über Stühle gesprungen und alles – Martina meinte hinterher, das wäre dann echt toll gewesen.

Danach gab es wie immer noch die Besprechung und dann war es – wie immer – auch schon wieder vorbei. Eigentlich sind es ja immer sechs Stunden, aber es fühlt sich eben immer sehr viel kürzer an.

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3 Kommentare zu “Schauspielen – Workshop „Ich selbst als ein Anderer“ mit Martina Droste

  1. Pingback: Schauspielen – Offenes Schauspieltraing V mit ‘The Baseballs’ | dreams on their way to reality

  2. Puh, Schauspielerei hört sich stellenweise knallhart an.
    Besonders das auswendig lernen könnte ich wahrscheinlich gar nicht mehr. Und das auch noch in einer so kurzen Zeit.

    Viel Spaß beim Praktikum :)
    Wo machst du das?

    • Ja, manchmaal ist das nicht alles so leicht ;) Das Auswendigernen ist natürlich auch so eine Sache, aber in diesem Fall waren es wirklich nur drei, vier Sätze, das geht dann ganz schnell.

      Dankeschön! :) In einem Verlag. Ich wollte erst an ein Theater, aber das Praktikum liegt so blöd, dass fast alle in der zweiten Woche schon Sommerpause haben… Und weil ich Bücher liebe und überlege, Germanistik zu studieren und auch den Beruf der Lektorin interessant finde, habe ich mich dann für einen Verlag entschieden. :)

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