Schauspielen – offenes Schauspieltraining VIII

Neues Jahr, natürlich auch wieder mit dem Schauspieltraining. Angemeldet hatten sich für diesen Abend wohl ursprünglich 40 Leute – dann haben sie ein paar wieder ausladen müssen (die, die dann schon vorher bei Auswahlworkshops dabei gewesen waren), um dann am Donnerstagmorgen noch jede Menge Absagen zu bekommen. Jedenfalls waren wir dann letztendlich nur 16 Personen. Auch gut.

Begonnen haben wir wieder mit einer kleinen Vorstellungsrunde (Name, Alter, waren wir schon einmal da, eine Sache, die wir mögen) und dem klassischen Durch-den-Raum-laufen mit Raumbeobachtung, die anderen wahrnehmen, Zunicken, Handschütteln + Name nennen, zur Begrüßung umarmen.

Zum weiteren Aufwärmen haben wir dann den rechten Arm, den linken Arm, die Hüfte, das rechte Bein und das linke Bein nacheinander alles achtmal, dann siebenmal, dann sechsmal usw. ausgeschüttelt, alle haben schön laut mitgezählt. Und zum Namenlernen ist dann eine Person in die Mitte des Kreises gegangen, hat sich als Monster ein Opfer ausgesucht, zu dem er hinläuft. Diese Person muss dann einen Namen sage, zu der das Monster als nächstes laufen muss, bevor es sie eben erreicht hat. Wenn jemand nicht schnell genug mit dem Nennen eines Namens war oder versehentlich den Namen der Person in der Mitte sagt, muss er Monster spielen. Zwischendurch haben wir es dann mal vereinfacht, dass die Person, deren Name genannt wurde, kurz winkt, damit man auch weiß, wo man als Monster hinlaufen muss.

Für die erste Übung sind wir wieder durch den Raum gelaufen und irgendwann hat sich dann jeder eine Person gesucht, der er hinterherläuft, sodass wir am Ende eben alle im Kreis liefen. Eine Person wurde dann als Leiterin bestimmt, die dann eine Art Abenteuerpfad entlanggeht (über imaginäre Steine hüpfen, einen Berg hochklettern, unter etwas hindurchkriechen oder -rollen, …), die die anderen dann auch genauso gehen – aber eben auch erst, wenn sie and er Stelle angekommen sind. Diese Schlange haben wir dann noch nach und nach in insgesamt vier Schlangen geteilt und immer mal den vordersten nach hinten geschickt, sodass eine neue Person den Pfad entworfen hat. Das haben wir ganz schön lange und ganz schön schnell gemacht – es war echt anstrengend.

Danach sind wir wieder alle durch den Raum gelaufen und haben uns dabei ein Körperteil ausgesucht, dass wir, wenn wir an Geld kommen müssten, verkaufen würden. Dann waren immer vier „Marktschreier“ auf der Bühnenfläche, der Rest das Publikum, und haben versucht, mit allen Mitteln ihr Körperteil möglichst gut anzupreisen. Hinterher haben dann alle abgestimmt, was sie am ehesten kaufen würden und die nächsten vier waren dran.

Für die nächste Übung haben wir vier Stühle in einen imaginären Warteraum nebeneinander gestellt, die man während des Spiels auch nicht bewegen durfte. Vier Personen haben sich nun darauf gesetzt. Jeder sollte dann für sich die anderen drei Personen in „Ich hasse dich“ „Ich liebe dich“ und „Du stinkst“ einteilen, ohne es eben zu verraten. Dann ging die Improvisation einfach los und jeder sollte seine Zuneigung/Abneigung deutlich machen, ohne die drei Sätze zu verwenden. Irgendwann gab es dann einen kurzen Stopp, die Zuschauer haben gesagt, was sie bemerkt haben, dann ging es weiter und die vier Spielenden haben versucht, alles Unklare noch zu verdeutlichen. Dann wurde es eben aufgelöst und die nächsten vier waren dran. Sehr interessant dabei fand ich, dass es nur ein einziges Mal passiert ist, dass sich ein Liebespärchen gebildet hat, sich die meiste Zeit ein riesiges Durcheinander mit Hass und Liebe gebildet hat, aber auch einmal jemand kollektiv von den anderen drei als die stinkende Person auserkoren wurde.

Nach einer kurzen Pause ging es mit einer kurzen anderen Improvisation weiter. Wir standen wieder im Kreis und irgendeine Person ist dann einfach hineingelaufen und hat ohne Sprache eine Situation angefangen zu spielen. Eine zweite konnte dann dazukommen und mit Sprache die Situation wieder auflösen.

Die nächste Übung war eine sehr ruhige Partnerübung. Um den Partner dafür zu finden, sind wir wieder durch den Raum gelaufen und haben uns dann nur durch Blickkontakt eine Person ausgesucht. Am Ende sind dann alle Paare zusammengelaufen. Die Übung selbst war eine Art ‚Ergänzen‚. Die erste Person stellt sich einfach irgendwie hin und die zweite sucht sich dann eine Stelle, an der er die andere Person als Form ergänzt. Die erste Person löst sich wieder aus ihrer Position und sucht nun ihrerseits nach einer ‚Lücke‘. Das ging dann immer so weiter, möglichst spontan und fließend, am besten ohne jedes Mal wieder ganz aus der vorigen Position herauszugehen.

Danach haben wir eine Übung zur Sprachkreativität (ich nenne das jetzt einfach mal so) gemacht. Immer zwei Personen waren auf der Bühnenfläche. A fängt an und sagt einfach einen Satz zu B. B muss dann seinen Satz mit dem letzten Wort von A beginnen, A dann wieder seinen Satz mit dem letzten Wort von B usw. Natürlich kann man auch mehr als einen Satz sagen. Ziel ist es eben, trotz der Konzentration auf die Worte eine Situation entstehen zu lassen, die irgendwo Sinn macht und auch bei einem Thema oder zwei bleibt und nicht dauernd mangels Kreativität zum nächsten springt.

Die letzte Übung, die wir gemacht haben, fand ich persönlich am lustigsten – der Knoten. Wir haben uns wieder in einen Kreis gestellt, sind dann aber so nah zusammengelaufen, dass sich unserer Schultern berührt haben. Wir haben alle die Arme in die Mitte gestreckt, die Augen geschlossen, die Arme vermischt, mit jeder Hand irgendeine andere gegriffen und die Augen wieder geöffnet. Die Aufgabe war dann, dieses Gewirr wieder aufzulösen, dass hinterher alle in einem Kreis standen – ohne zwischendurch irgendeine Hand loszulassen. Das kann ein bisschen dauern und erfordert Kommunikation. Wir haben es 15 Minuten lang versucht und nicht geschafft. :D Dabei kann es zwar passieren, dass manche Personen ziemlich direkt schon frei sind und die ganze restliche Zeit zur dort stehen, Händchen halten und zugucken, ich z.B. in diesem Fall, aber ich fand es dennoch interessant.

Dann haben wir noch kurz besprochen, was wir gut fanden und was nicht und die drei Stunden waren schon wieder vorbei.

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