Schauspielen – Workshop “Spielen mit dem Körper” mit Martina Droste und Jan Breustedt

Ja, es gibt mich noch, und nein, ich habe diesen Blog nicht vergessen. Ich hatte allerdings in den letzten Monaten einerseits wenig Zeit und andererseits hat mir irgendwie die Motivation gefehlt… jetzt ist beides wieder vorhanden, also los geht’s!

Bei den letzten beiden Workshops konnte ich leider nicht mitmachen, aber im März (jaja, ich hänge ein bisschen zurück mit dem Bericht…) war ich wieder dabei. Und es war wieder einmal einfach toll! :) Und das haben wir gemacht:

Vorstellen, Wahrnehmen, Gleichgewicht, Feldenkrais

Begonnen haben wieder damit, dass wir uns erst einmal vorgestellt haben. Dann sind wir wie üblich durch den Raum gelaufen, haben erst den Raum, dann uns, dann die anderen wahrgenommen. Danach sollten wir uns auf ein Bein stellen und uns möglichst in alle Richtungen bewegen, ohne umzufallen, dann auch auf dem anderen Bein. Das haben wir auch noch dazu erweitert, dass mir uns mit Lufttritten gegenseitig „Abschießen“ sollten“ – der andere sollte dann auch umfallen und mit einer Rolle wieder aufstehen, wieder auf ein Bein und weiter. War lustig. :)

Danach haben wir Feldenkrais-Übungen gemacht. Das ist ziemlich kompliziert, zu beschreiben – hier hatte ich es mal versucht. Am Ende sind wir sogar durch den Raum gekugelt – Fußsohlen aneinander, mit den Händen obendrüber über den Fußrücken um die Füße fassen und dann im Kreis kugeln. :D

Boxen, Treten, Krabbeln, Springen

Dann ging es mit dem Thema „Bühnenkampf“ los. Natürlich konnte das in der Zeit, die wir hatten, nicht besonders ausführlich sein. Wir sind dann einige Male von der einen Seite zur anderen Seite des Raums gelaufen, während wir verschiedene Dinge gemacht haben. Eine kurze Box-Tritt Abfolge, so nah wie möglich am Boden krabbelnd und solche Dinge.

Jan hat dann einen Sessel in die Mitte des Raums gestellt, Musik angemacht und wir sind alle im Kreis durch den Raum gejoggt. Erst einfach so, dann mit kurzem Sprint und anschließendem Sprung. Dann sollten wir zusätzlich noch alles mögliche mit dem Sessel machen, wie darüber springen, drauf und wieder runter, mit den Händen draufstützen beim Springen, was einem alles einfällt – aber natürlich immer darauf achten, dass nicht gerade jemand anderes gleichzeitig springt.

Backpfeife, Boxhieb, Low Kick

Anschließend haben wir gelernt, wie man eine Backpfeife und einen Boxschlag echt darstellt, natürlich ohne den anderen wirklich zu schlagen. (Auch wenn beim Schauspielen auf der Bühne oder vor der Kamera ja durchaus auch mal ein paar echte Backpfeifen verteilt werden…). Für die Backpfeife hält Person A die (für Rechtshänger) rechte Hand ausgestreckt unter das Kinn, Handfläche nach links. Person B schlägt dann eben auf die Hand statt auf die Wange, A muss dann eben entsprechend reagieren. Für den Boxhieb schlägt A mit einer Hand in Richtung B, gleichzeitig schlägt A mit der anderen zur Faust geballten Hand auf den oberen Teil des Brustkorbs , unter dem Schlüsselbein (auf der gegenüberliegenden Seite). Dadurch entsteht das Schlaggeräusch. Das haben wir beides in Zweiergruppen geübt.

Danach haben wir ebenfalls zu zweit einen kleinen „Kampf“ geübt – nur mit Low Kicks, d.h. mit leichten Tritten gegen den Oberschenkel und entsprechender Abwehr mit dem Bein. Der Hinweis dazu: Immer den Blick in die Augen des Gegners halten, denn da erkennt man, was dieser vorhat. Sobald du wegschaust, hast du verloren.

Massieren, Haare ziehen

Nach der Pause sind wir damit eingestiegen, dass wir uns zu zweit gegenseitig massiert haben. Jan hat vorgemacht, was wir genau tun sollen, dazu Hinweise gegeben, wie genau wir die Dinge tun sollen, damit wir niemanden verletzen. Das war schön entspannend. :)

Weiter ging des dann damit, dass er uns gezeigt hat, wie man es darstellt, dass man jemanden an den Haaren durch den Raum zieht, ohne diese Person zu verletzen. Eigentlich ganz simpel: A legt die Hand auf den Kopf von B, deutet das Festhalten vielleicht auch an. B umgreift das Handgelenk von A fest. Und dadurch kann man dann durch den Raum gezogen werden, indem man sich an dem Handgelenk festhält.

Erwürgen

Das nächste war Erwürgen. Nun – wie stellt man das dar, sodass es auch echt aussieht? Person A liegt auf dem Boden, B hockt darüber/setzt sich drauf – wie es halt am Besten für das „Erwürgen“ passt. B legt nun die Hände hinten an die Schultern von A. Die Daumen sind entweder in der Luft oder liegen locker auf den Schlüsselbeinen. B kann nun mit den anderen vier Fingern, die dort liegen, wo man an den Schultern (hinten) wohl auch ungefähr massieren würde, nach oben ziehen. Dabei kann man ruhig viel Kraft anwenden, da es der anderen Person nicht wehtut. Wir haben das schließlich alle gemacht – und waren erstaunt, wie wenig man es spürt, wenn der andere doch einiges an Kraft zum Ziehen nach oben aufwendet. Aber dadurch sind die Muskeln angespannt, man wendet wirklich Kraft auf – muss A nur noch mitspielen. ;)

Hass & Liebe

Diese letzte Übung hat sehr viel Zeit beansprucht du war unglaublich schwierig. eine der schwierigsten Übungen, wenn nicht die schwierigste, die ich jemals gemacht habe zum Schauspielen.

Es waren immer zwei Personen auf der Bühnenfläche. Die ersten zwei waren die einzigen zwei Jungs, die dort waren, ansonsten waren wir immer zwei Mädchen. So viele waren wir insgesamt aber auch nicht.

Es ging nun darum, dass eine Person beginnt, und der anderen erklärt, dass man sie hasst. Man fängt ruhig und langsam an, vielleicht mit einer Nicht-Mögen Einstellung. Und steigert sich immer und immer und immer weiter, macht immer weiter und weiter – bis irgendwann Jan mit einem Auf-den-Boden-Hauen das Ganze für beendet erklärt. (Bitte das Umarmen am Ende nicht vergessen, um der anderen Person noch einmal zu zeigen, dass das alles nicht ernst gemeint ist.)

Und dann das Ganze mit Liebe. Man erklärt dem anderen das man ihn mag, sehr mag, liebt, was man alles für diese Person tun würde, steigert sich ebenfalls immer weiter hinein – aber dabei Positiv bleiben! Nicht in das Verzweifelte abrutschen. Das macht dann der andere Partner danach auch. Die passive Person bleibt jeweils unbeteiligt dort stehen. Körperkontakt ist verboten.

Diese Übung muss man einfach miterleben, das kann man sich nicht vorstellen. Das ist dermaßen intensiv. Die Zeitspanne, in der man sich immer und immer weiter steigern soll, in der man immer weiter machen soll, nicht aufhören darf, diese ganzen Gefühle zeigen soll – selbst als Zuschauer fühlt man unglaublich stark mit. Ich fand es am schwierigsten, in diesen Fluss reinzukommen, das so lange durchzuhalten und bei der Liebe nicht in die Verzweiflung abzurutschen. Und Liebe ist generell schwieriger als Hass, weil, wie Jan es so schön ausdrückte, Hass hat mit Angst zu tun – Liebe mit Mut.

Und es war eine hammermäßige Erfahrung. Bisher war es immer so, dass wenn ich gespielt habe, und sei es die Erkenntnis über den Tod einer geliebten Person, konnte ich danach sofort wieder zu mir in einen ruhigen Modus wechseln, sofort wieder lachen. Aber hier – ich habe noch zehn Minuten danach gezittert, weil ich mich so von den Gefühlen habe überwältigen lassen. Das hat erst einmal gedauert, bis ich das wieder losgeworden war. Es war eine wirklich tolle Erfahrung. Dafür bin ich dankbar.

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