Schreiben // Writing – Methode: Traum eines Buchcharakters

Wir behandeln im Deutsch-Leistungskurs gerade „Faust I“ von Goethe. Und dazu hatten wir jetzt verschiedene kreative Aufgaben bekommen, von denn wir uns eine aussuchen konnten. Ich habe mich für diese entschieden:

„Ein Traum Margaretes (Gretchens). Schreiben Sie hierzu einen Text und tragen Sie diesen – gegebenenfalls mi Musik – vor.“

Es geht also darum, dass Gretchen in einer Zeit, in der das kirchlich und gesellschaftlich vollkommen unakzeptabel war, vor der Ehe von Faust schwanger wird und unter dem Druck letztendlich zusammenbricht. Ihre Mutter ist von einem Schlaftrunk gestorben, den sie ihr gegeben hat, um die Nacht mit Faust verbringen zu können. Ihr Bruder ist gestorben, weil er Faust und sie für ihre Sünde bestrafen wollte, der Teufel und Faust bringen ihn um, er gibt ihr die Schuld.

Dazu habe ich dann einen Traum geschrieben, könnte man eigentlich auch öfter für Charaktere in anderen Büchern machen.

„Ich laufe auf die große Kirche zu. Gleich müsste ich da sein. Ich laufe und laufe,  aber je näher ich komme, desto weiter scheint der Weg zu werden. Ich bleibe stehen. Links und rechts sind Menschen und schauen im Vorbeigehen zu mir, auf meinen Bauch. Ich schaue selbst hin und stelle fest, dass mein Bauch wächst. Natürlich tut er das, ich bin ja auch schwanger. Er wächst immer schneller und ich bekomme Panik – es darf doch niemand sehen! Ich renne los und durch eine offene Tür in das nächstbeste Haus, einfach weiter, bis ich auf der anderen Seite in den Garten gelange und stehen bleibe. Es ist Marthes Garten. Sie ist auch da und ich will zu ihr, sie um Hilfe bitten. Plötzlich ist auch Heinrichs Begleiter da und ich schrecke zurück. Da, wo er steht, sind die Blumen verwelkt und das Gras verdorrt. Schnell gehe ich in das Gartenhäuschen, mache die Tür hinter mir zu und drehe mich um. Ich bin in der Kirche. Überall sind Menschen und starren mich an. Sie tragen alle weiß und es ist so grell, dass es mich blendet und ich die Augen mit der Hand bedecken muss. Sie kommen näher. Der Pfarrer. Lieschen und die anderen. Sie deuten auf meinen Bauch und lachen hämisch. Ich drehe mich um und will wegrennen, aber sie haben mich eingekreist und hören nicht auf, zu lachen. Dann kommt Mutter, zeigt anklagend auf mich und ruft: „Du hast mich umgebracht!“ Valentin steht plötzlich neben ihr, voller Dreck und Blut. „Du hast uns beide umgebracht!“ Lieschen macht einen Schritt auf mich zu und fragt: „Was willst du jetzt machen? Dein geliebter Doktor Faust kann dir jetzt auch nicht helfen…“ Ich will mich bewegen, kann aber nicht. Verzweiflung überkommt mich.  Ich kann mich nicht bewegen! Auf dem Boden zusammengekauert rufe ich: „Heinrich, wo bist du? Hilf mir doch!“ Die Menschen um mich herum kommen immer näher und werden immer größer und ich habe keinen Platz mehr, sie engen mich ein, ich bekomme keine Luft mehr, ich habe Panik, ich atme, aber ersticke trotzdem – und dann falle ich und falle und falle und- „

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